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Was Gibbons sind
Sie sind näher mit uns verwandt als mit Makaken oder Pavianen, sie leben monogam, sie hangeln sich mit den längsten Armen aller Affen durch die Baumkronen, und sie singen. Ein Überblick.
Gibbons sind Menschenaffen
Die Gibbons (Familie Hylobatidae) bilden zusammen mit den Grossen Menschenaffen die Überfamilie der Menschenaffen (Hominoidea). Man nennt sie auch die Kleinen Menschenaffen, nicht weil sie weniger können, sondern weil sie leichter sind. Mit 19 Arten sind sie die grösste Gruppe der Menschenaffen überhaupt.
Sie sind näher mit dem Menschen verwandt als mit Makaken, Pavianen oder Languren. Trotzdem sind sie deutlich weniger bekannt und weniger erforscht als Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.
Angepasst an das Leben in den Baumwipfeln
Gemessen an ihrer Körpergrösse haben Gibbons die längsten Arme aller Affen. Diese und weitere anatomische Besonderheiten hängen unmittelbar mit ihrer ungewöhnlichen Fortbewegung zusammen.
Je nach Art wiegen sie nur 5 bis 12 Kilogramm. Diese leichte Bauweise erlaubt es ihnen, Früchte auch an dünnen Ästen zu erreichen, die kein grösserer Menschenaffe mehr tragen würde. Einen Schwanz haben sie nicht, ein typisches Merkmal aller Menschenaffen.
- 5 bis 12 kgKörpergewicht, je nach Art
- 19Arten in vier Gattungen
- 0Schwanz, wie bei allen Menschenaffen
- 20 bis 45 haTerritorium pro Familiengruppe
Brachiation und aufrechter Gang
Gibbons bewegen sich schwinghangelnd an den Armen fort. Fachleute nennen das Brachiation. Es macht sie zu den akrobatischsten aller Affen; beim schnellen Hangeln scheinen sie durch die Baumkronen zu fliegen.
Auf Ästen und am Boden gehen sie dagegen zweibeinig, also aufrecht. Diese Gangart ist im Tierreich das beste Modell dafür, wie sich der menschliche Gang entwickelt haben könnte.
Monogame Familiengruppen
Gibbons leben in kleinen Familiengruppen von zwei bis sechs Tieren: ein erwachsenes Paar und seine Jungtiere. Diese Sozialstruktur, die Monogamie, kommt bei nur rund drei Prozent aller Säugetierarten vor. Gibbonpaare halten viele Jahre zusammen.
Jede Gruppe bewohnt ein Territorium von 20 bis 45 Hektaren und verteidigt es entschieden gegen andere Gruppen. Ernährt wird sich vor allem von Früchten, dazu kommen Blätter, Triebe und kleine Tiere.
Drei Prozent. So selten ist Monogamie unter den Säugetieren. Gibbons gehören zu den wenigen Arten, bei denen ein Paar über Jahre zusammenlebt und die Jungtiere gemeinsam aufzieht.
Verbreitung in Südostasien
Gibbons leben in den immergrünen tropischen Regenwäldern Südostasiens. Das Verbreitungsgebiet der vier Gattungen erstreckt sich über fast ganz Indo-Burma und Sundaland. Das sind zwei der biologisch reichsten und zugleich am stärksten bedrohten Landökoregionen der Welt.
Die komplexesten Gesänge aller Landsäugetiere
Frühmorgens singen Gibbongruppen. Ihre Rufe sind ein bis zwei Kilometer weit zu hören und dauern meist zehn bis dreissig Minuten. Gesänge sind unter Säugetieren ohnehin selten. Die der Gibbons sind die komplexesten, die man von einem Landsäugetier kennt.
Am Gesang lassen sich Art, Geschlecht und sogar das einzelne Tier erkennen. Vermutlich markieren die Tiere damit ihr Revier und finden ihre Partner.
Verpaarte Gibbons der meisten Arten singen in genau abgestimmten Duetten. Solche Duette zeigen die Paarbindung an oder stärken sie. Weil Gesang und menschliche Musik auf dieselben genetisch angelegten Rufmuster zurückgehen, gelten Gibbongesänge als bestes Modell für die Entstehung der Musik beim Menschen.
Aufnahme: Wildlife Alliance
Bedrohung und Gefährdungslage
Unter den Gibbons finden sich nicht nur die am stärksten bedrohten Menschenaffen, sondern die am stärksten bedrohten Affen weltweit. Mehrere Arten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Die seltenste Affenart überhaupt ist ein Gibbon: Vom Hainan-Schopfgibbon leben weniger als 30 Tiere.
Die Hauptgründe sind Verlust und Verschlechterung des Lebensraums, Wilderei und illegaler Handel. Der tropische Regenwald ist für Gibbons lebensnotwendig. Verschwindet er, verschwinden auch sie. In China haben Gibbons bereits 99 Prozent ihres Lebensraums verloren.
Gejagt werden Gibbons zweifach: um den Speiseplan der Bevölkerung zu erweitern und um Körperteile der getöteten Tiere zu Naturheilmitteln zu verarbeiten. Dazu kommt der Handel mit lebenden Tieren, der in ganz Südostasien blüht. Junge Gibbons sind begehrte Haustiere. Um an ein Jungtier zu kommen, wird in der Regel die Mutter aus den Baumwipfeln geschossen. Das Jungtier überlebt das häufig nicht.
Schutzgebiete für Gibbons gibt es durchaus. Viele werden aber schlecht betreut, und die geltenden Bestimmungen werden nur ungenügend durchgesetzt. Armut auf dem Land und fehlende Aufklärung kommen dazu. Auch international ist über die Lage der Gibbons wenig bekannt, obwohl die Bestände alarmierend tief sind.
Gibbons sind die wirklich vergessenen Menschenaffen und brauchen dringend unsere Hilfe.